ARGEr Unfug 2

Hier folgt also die zweite Rate meiner bunten Erfahrungen mit der schönsten Behörde der Republik. Allen, die die Geschichte noch nicht kennen, viel Spaß nach dem Klick. :)

Kapitel 2 – Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Das Schreiben war am nächsten Tag im Briefkasten. Es war das erste, das ich von dieser ARGE U25 (die für die Bedarfsgemeinschaften mit Unter-25-jährigen zuständig ist) überhaupt erhalten habe und es war…. eine letzte Mahnung. Es mag an mir liegen, aber ich erwarte immer irgendwie, einer “letzten” Mahnung würde sowas wie eine “erste” und vielleicht im großzügigen Fall auch noch eine “zweite” vorausgehen. Schonmal gar, wenn meine erste Frist noch überhaupt gar nicht abgelaufen ist. Denn das Schreiben datierte _vor_ diesem Fristtermin.

Aber ich war eh krank, den Termin konnte ich schaffen, also warum sich beschweren, man ist ja guter Mensch und Fehler können passieren. Ich bin schon ein Schäfchen, nicht? 😉

Als der 06. November 2007 kam (wir erinnern uns: Termin beim Arbeitsvermittler da in dem anderen Gebäude am anderen Ende von Nürnberg, ich erwähnte das recht weit vorn in Kapitel 1), war ich auch soweit wieder auf dem Damm und unsere Unterlagen bis auf ein paar nicht beschaffbare vollständig. Also brav hingetappt.

Mein Arbeitsvermittler – Herr K. – war ein wirklich netter und kompetenter Kerl (ehrlich, ohne Ironie), der mich leider mit den Worten begrüßte: “Fräulein Pixie. Schön, dass Sie da sind, aber ich darf mich eigentlich gar nicht mit Ihnen unterhalten.” – “Äh… ähm… ahm… aha? Wa… warum?” – “Weil Sie doch noch gar keine Leistungen bewilligt bekommen haben. Und die Arbeitsvermittlung ist eine Dienstleistung, die die ARGE nur Arbeitssuchenden mit bereits bewilligten Leistungen erteilen darf.” – “Aber… aber…” – “Ja, nun setzen Sie sich erstmal. Ich schau mir ihren Fall einfach mal an, hab ja gerade eh Zeit.”

Der fand selbst ohne meinen zarten Hinweis – ich war zu dem Zeitpunkt noch völlig sprachlos – das “Erinnerungsschreiben” der ARGE U25 reichlich merkwürdig, hat ein wenig in meiner Akte herumrecherchiert und herausgefunden, dass da wohl offensichtlich jemand vergessen hatte, sich einen gewissen Termin zu notieren, und diesen Fehler dann einfach auf meinem Rücken wieder ausgebügelt hat. Weils einfacher war.

Nun ja, Arbeitsvermittlung konnte er mir nicht geben, aber immerhin hatte ich nach diesem Gespräch seit sehr langer Zeit endlich mal wieder so etwas wie gute Laune, denn er hat sich die Zeit genommen, einfach mit mir zu reden. Hat meine berufliche Situation bequatscht, sich nach meinem Studium erkundigt, die Warums und Wiesos abgeklappert und mir insgesamt das Gefühl gegeben, dass ich kein Sozialschmarotzer bin, sondern auch ein Recht zum Atmen habe. Das war schon sehr schön. Nur… helfen konnte – nein: durfte er mir nicht.

Nun ja, der 9. November war ja knapp nach dem 6. November, also waren wir 3 Tage später – diesmal zu zweit, weil mein Freund inzwischen den Kaffee auf hatte – in der ARGE U25, um dort die letzten Unterlagen abzugeben und über die nicht beschaffbaren zu diskutieren, denn wir hatten bis zum letzten Moment versucht, doch noch an diese heranzukommen.

Der freundliche Herr B., der bei der ARGE U25 an der Anmeldung arbeitet und die Unterlagen entgegengenommen hat, hat sich unseren Fall angehört, ihn telefonisch mit irgendwem aus der entsprechenden Abteilung besprochen – vermutlich nicht Frau H., denn die hat wohl zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr dort gearbeitet, wie wir irgendwann später erfahren haben – und uns dann mitgeteilt, das sei kein Problem, die Gründe seien ja hieb- und stichfest und unrüttelbar. Auf gezielte Nachfrage kam die Aussage: “Ja, es ist dann jetzt alles da und hat seine Richtigkeit. Der Antrag wird jetzt bearbeitet.” HALLELUJAH!

*hüstel* Oder auch nicht.

Nach dem 9. November hatte dieser Monat noch eine Menge Tage, aber der Briefkasten blieb leer. Anfang Dezember dann (man hatte uns ja gesagt, das dauere mit so einem Antrag, und ich wollte den armen Leuten da nicht zur Last fallen; bei den Fehlern, die die so in der Lage waren zu fabrizieren, mussten die schließlich böse überarbeitet sein… ja ja…) habe ich mir ein Herz gefasst, bei der ARGE U25 angerufen und mich erkundigt, was mit meinem Antrag wäre.

Es entspann sich ein erhellendes Telefonat: “Da fehlen noch Unterlagen.” – “Äh, nein, fehlen nicht.” – “Doch, da fehlen Unterlagen.” – “Kann aber nicht sein, wir hatten die Zusage, dass jetzt alles in Ordnung sei.” – “Nein, Sie hätten die Unterlagen beibringen müssen.” – “Ja aber…” – “Nichts aber, das wäre ihre Aufgabe gewesen.” Die gute Frau – Nachfolgerin der Frau H. im übrigen, und namentlich Frau C. – war am Telefon vom ersten Satz an pampigst und unverschämt. Sie hat ein paar Dinge gesagt, die sie ganz sicher bis heute bereut.

Denn mein lieber Freund – der mich abends als heulendes Elend irgendwo zwischen drei Wolldecken, der Bettdecke und sechs Kissen auf dem Sofa kampierend gefunden hat – hat sich am nächsten Tag freigenommen und ist mit mir gemeinsam dorthin gegangen.

Auf unser Klopfen an der Bürotür von Frau C. öffnete eine nicht näher definierte Mitarbeiterin. Öffnen ist zu viel gesagt, sie hat einen etwa handbreiten Spalt zwischen Tür und Rahmen produziert. “Oh, die Frau C. ist nicht da.” *wisper* Natürlich hat man die Stimme von Frau C. im Hintergrund telefonieren gehört, aber… das war bestimmt eine Illusion. Ich bin halt ein Schäfchen, und ich halluziniere gelegentlich…

Daraufhin sind wir dann ganz gelassen und seelenruhig zum Abteilungsleiter gelaufen. Der war ein wenig überrascht, dass da jemand ohne Termin vor seiner Tür stand, aber er war ein höflicher Mensch und hat uns die Tür einfach mal nicht vor der Nase zugehauen. Nachdem er uns etwa zwanzig Minuten zugehört hatte, auch die Gründe für die fehlenden Unterlagen gehört hatte und zudem eine ausführliche Schilderung der genauen Äußerungen von Frau C. in dem Telefonat mit mir erhalten hatte und äußerst sparsam geguckt hat, als wir ihm sagten, die gute Frau C. sei ja wohl auch gerade nicht im Hause, hat er uns freundlich in den Wartebereich gebeten, der seinem Büro gegenüber lag.

Drei bis Fünf Minuten Ruhe vor dem Sturm. Dann hörte man seine Stimme durch die Wände. :mrgreen: Gute Güte, ist die Frau C. aber schnell gewesen, als sie da den Korridor hinuntergejoggt ist um bei ihrem Chef anzutreten.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir haben noch am selben Tag per Eilüberweisung eine Monatsrate erhalten, der Bescheid ging uns eine Woche später zu und das restliche Geld ebenfalls.

Schön, nicht wahr? Endlich vorbei der Stress.

Oder doch nicht?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>