ARGEr Unfug 1

Vor inzwischen einigen Jahren hatte ich eine etwas längere, liebevolle Beziehung zur schönsten Behörde, die unser Land zu bieten hat, zur Arbeitsgemeinschaft SGB II, kurz ARGE. Ich habe das damals in einem Forum alles mal niedergeschrieben, in dem ich mich gern mal herumtreibe.

Weil mir der Text aber immernoch sehr gefällt, und weil ich irgendwie glaube, man kann als Mensch, der mit dieser Behörde zu tun hat, vielleicht noch ein paar Warnungen mitnehmen, habe ich mir mal die Freiheit genommen und ihn von dort nach hier kopiert. Dann noch ein wenig Feinschliff betrieben, schon war mein erster Semi-Roman fertig. *hust*

Es ist wirklich sehr lang. Darum werde ich ihn zunächst mal auf mehrere Postings verteilen und so häppchenweise immer mal wieder posten. Außerdem mache ich hier etwas, das ich in diesem Blog ansonsten eigentlich nicht vorhabe. Wer also den Text schon kennt oder sich nicht dafür erwärmen kann, der möge nun einfach nicht dem Link folgen und somit nicht weiterlesen. 😉

So. Ab hier also mein eigenes Geschreibsel von vor wirklich langer Zeit bis vor nicht ganz so langer Zeit zusammengefasst, überarbeitet und zu einem einzigen Wust verrührt.

Kapitel 1 – So fing alles an

Ich habe im Sommer 2007 mein Psychologie-Studium “geschmissen”, bin von der Uni weg nach Nürnberg gezogen und hatte dort zunächst kurzfristig eine Anstellung als Call-Center-Agentin, das allerdings nur für zwei Wochen. Den Job will keiner machen. Vertraut mir. Sollte euch das je angeboten werden: Lehnt ab. Fragt nicht nach. Lehnt es ab. Es ist grauenhaft!

Nach besagten zwei Wochen habe ich mir am 20. September 2007 meine Kündigung geben lassen, bin brav am 21. September 2007 zur Agentur für Arbeit getappt und hab mich von denen zur ARGE schicken lassen. Weil ich nicht sechs Monate am Stück gearbeitet hatte vorher, war ich ja nicht berechtigt, Arbeitslosengeld 1 zu beziehen. Alles mir recht, ich wollt ja auch gar nicht lang arbeitslos bleiben. Und Arbeitslosengeld 2 ist auch Geld. Hauptsache man ist gemeldet, damit der Amtsschimmel seine liebe Ruh’ hat. DACHTE ich.

Nun ja, Meldung erfolgt, Liste beizubringender Unterlagen erhalten, Liste abgearbeitet, wieder hingetappt, neuer Abteilung zugewiesen worden. Das ist üblich so. Am Anfang kommt man zu so einer… allgemeinen Verteilerstelle, dann wird man dahin geschickt wo man hingehört.

Da ging’s ja dann schon los. Seit wir in Nürnberg wohnten, wohnten mein Freund und ich auch zusammen. Ich war zu dem Zeitpunkt etwa 30, mein Freund 22, und wir damals und sind noch immer ein Paar (wichtige Eckdaten, darum hier angemerkt). Wenn nun in einer Wohnung mehrere Leute wohnen – ob das eine Familie ist oder eine WG oder wie auch immer, ist dem Amt hierbei übrigens reichlich egal – bilden sie für die ARGE eine Bedarfsgemeinschaft. Soll heißen: Wenn einer aus dieser Bedarfsgemeinschaft Arbeitslosengeld 2 haben will, dann müssen alle Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft (ja genau: alle; ist bei einer WG bestimmt klasse, wenn man auf einmal die persönlichen Unterlagen seiner Mitbewohner haben will) ihre Einkommens- und Verpflichtungsverhältnisse angeben. Also Lohnabrechnungen, Mietvertrag, Kontoauszüge der letzten drei Monate (ja genau: von allen Mitgliedern der Bedarfsgemeinschaft), eventuelle Bausparverträge, Versicherungen und überhaupt. Alles halt. Das fand ich schon… überraschend wäre wohl das richtige Wort, aber gut. Was tut man nicht alles.

Dann kam also, wie erwähnt, die Zuteilung zur entsprechenden Leistungsbemessungsstelle und zu den Arbeitsvermittlern. Arbeitsvermittlern? Warum Mehrzahl? “Weil ja in Ihrer Bedarfsgemeinschaft nicht nur Sie leben, sondern auch Ihr Lebensgefährte.” – “Ja, aber… der ist doch berufstätig. Da ist doch sein Vertrag, da seine Lohnabrechnungen.” – “Das hat damit nichts zu tun, hin muss er trotzdem.” Äh? Aha? “Und warum sitzt sein Arbeitsvermittler in dem Haus, in dem die Leistungsbemessungsstelle ist, meiner dagegen in diesem anderen Haus dahinten, ein paar Kilometer entfernt?” – “Weil Ihr Lebensgefährte unter 25 Jahre alt ist und Sie nicht.” Gott, kam ich mir auf einmal alt vor. Nicht nur, dass ich älter als mein Freund bin, nein! Ich werde auch noch ausgelagert, weil ich so ALT bin! “Ja… und warum ist die Leistungsbemessung dann in dem gleichen Haus wie der Arbeitsvermittler meines Lebensgefährten?” – “Weil die Bedarfsgemeinschaft von Ihrem Lebensgefährten gesteuert wird. Eine Bedarfsgemeinschaft wird immer vom jüngsten Mitglied gesteuert.” Aaaaah ja. Na gut… wird schon stimmen. Nürnberg ist groß, die müssen ihre Aufgaben verteilen… Mann, bin ich gut im sinnlose Dinge erklären. 😉

Die Sache mit der Arbeitsvermittlung für meinen berufstätigen Freund hat sich gottseidank schnell erledigt. Den zuständigen Mann habe ich angerufen, und der ließ auch mit sich reden. Um genau zu sein hat er überhaupt gar nicht verstanden, wer auf die verrückte Idee gekommen ist, einem bereits Berufstätigen einen Termin bei ihm geben zu wollen. *kicher*

Der nächste Termin (die waren ja auch alle über den Monat Oktober 2007 verteilt, denn ohne Arbeitslosengeld hat man ja Zeit ohne Ende…. den Termin bei meinem Arbeitsvermittler hatte ich ja auch sowieso erst am 06. November 2007 – bei Antragstellung am 21. September, wie ich hier in Erinnerung rufen möchte) war bei der Leistungsbemessung. Ich hatte ordnerweise Unterlagen dabei. In der Zwischenzeit war ich auch noch unserem Vermieter auf die Zehen getreten, damit der mir ein Formular ausfüllt, das weder er noch mein Freund noch ich verstanden haben, aber immerhin sah es hinterher bunter aus, mein Freund hatte Formulare von seinem Chef bunt ausmalen lassen, wir beide hatten ganze Schnellhefter voller Formulare zum Basteln bekommen. Alles lag bei der guten Frau H. (ich nenne sie mal so) auf dem Schreibtisch. Zuzüglich der zwei Kontoauszugsstapel – nicht zu vergessen. Trotz dieser Papierstapel war natürlich die Hälfte nicht zu ihrer Zufriedenheit belegt, was ich vorher – vermutlich per Telepathie oder so – hätte wissen müssen. Natürlich. Mein Fehler.

Also wieder nach Hause, wieder Unterlagen herausgesucht, wieder ausgesuchten Menschen zu nahe getreten zwecks Unterlagenbeschaffung (Leute wie Eltern zum Beispiel…). Man hatte mir für diesen zweiten Weg eine Frist bis zum… irgendwann Ende Oktober gesetzt. Das Schicksal mochte mich nicht, ich zog mir eine Nieren-Becken-Entzündung zu (in meinem Fall schlimm, weil ich nur noch eine Niere habe, also bin ich nicht mal für die ARGE bereit, da ein Risiko einzugehen) und meldete mich telefonisch, dass ich den Termin aufgrund Krankheit nicht einhalten könne – ich hätte noch Wege zwecks Unterlagenbeschaffung zu gehen gehabt, die ich einfach in dem Zustand nicht gehen konnte. Da sagte man mir am Telefon: “Ach, Fräulein Pixie, der Termin stimmt aber doch gar nicht, hier ist ein Schreiben, das besagt, Sie hätten Frist bis zum 09. November 2007.” – “Wie jetze? Aber die Frau H. hat mir doch gesagt…” – “Ja, weiß ich auch nicht. Aber das ist wohl schon in Ordnung so…” Ja dann…

Ich lehnte mich also entspannt zurück, wurde erstmal ordentlich gesund – und dann kam die Post. Was die für Überraschungen bereit hielt, das erzähle ich in Kapitel 2.

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